Die Grafik zeigt: Der Bedarf an Lehrkräften in Schleswig-Holstein ist riesengroß. Und Schulleitungen, die bereits ausgeschrieben haben wissen, dass die Situation alles andere als rosig ist.  UE20170716

Beim Auf– und Ausräumen fand ein jüngst pensionierter Kollege das Protokollbuch des Lehrervereins in Burg wieder. Und wie das beim Aufräumen häufig ist, begann er zu stöbern.

Seine interessante Entdeckung überlies er mir zu Veröffentlichung an dieser Stelle. Die Überschrift habe ich absichtlich abgeschnitten. Raten Sie einmal, aus welchem Jahr dieses Protokoll ist.

Das darin unter dem ersten Tagesordnungspunkt beschriebene Problem ist leider zur Zeit der anstehenden Personalsuche hochaktuell.

Neben kurzfristigen Lösungen der Personalnot wünschen wir uns endlich eine weitsichtige und parteiübergreifende Personalplanung,

Uwe Niekiel

Prot02

Dass man zusammen mehr erreicht und seine Ideen bzw. Forderungen vehementer vortragen kann, war der ausgehende Grundgedanke. Aus dieser Idee heraus lud der slvsh den Landesvorsitzenden Dieter Zilinski von der GGG zur Vorstandssitzung des Schulleitungsverbandes ein.
Es wurde ausgelotet, in welchen Gedanken oder Punkten die beiden Verbände zukünftig zusammen auftreten könnten, wo es Überschneidungen und Schnittmengen gibt.
Genau wie der slvsh fordert auch die GGG - unter anderem- eine Erhöhung der Leitungszeit.
Bei der Frage der Besoldung soll besonders auf die Besoldung der Schulleiter und Schulleiterinnen in Grundschulen geachtet werden, damit eine  Avorherrscht.
Diese und weitere Aspekte gehören in beiden Verbänden zu den Hauptforderungen an die Bildungswelt.
Zukünftig ist eine gemeinsame Arbeitsgruppe angedacht, um gemeinsam Forderungen an die zukünftige Landesregierung zu formulieren, um mit den Parteien ins Gespräch zu kommen und vor allem um sich gemeinsam für die Schulleitungen im Land stark zu machen.
Ein erster Schritt ist getan! Weitere werden folgen!
Der slvsh wird im Newsletter "Schulleitung aktuell"  über zukünftige Fortschritte und aktives Zusammenwirken beider Verbände weiter berichten.

Mittlerweile hat es sich auch im Bildungsministerium herumgesprochen, dass die Schaffung von Stellen für eine 100prozentige Unterrichtsversorgung im Lande eine zwar notwendige, aber keinesfalls hinreichende Bedingung ist. Es müssen auch die Menschen gefunden werden, die auf diesen Stellen in den Schulen des Landes unterrichten. Letzteres gestaltet sich leider immer schwieriger.
Glücklich die Schule, deren Kollegium weit vom Erreichen der Altersgrenze für die Pensionierung entfernt ist. Meine ist es leider nicht. Die Sorgen und die Mühen um die Besetzung der zugewiesenen Planstellen weit im Westen unseres Bundeslandes sind seit einem guten Jahr riesengroß.
Da kam in den Sommerferien das Angebot für eine Kollegin mit dem Fach Musik zum Seiteneinstieg sehr gelegen. Nach einer kurzen Information auf den Internetseiten des Bildungsministeriums zum Thema Seiteneinstieg habe ich die Kollegin gern genommen. Die Formalien für einen Seiteneinstieg waren in der Kürze der damals zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu regeln. Die Kollegin bekam zunächst einen befristeten Vertrag als Vertretungslehrerin und startete zum 1.2. in die Ausbildung. Die Schule profitiert sehr von ihrem Einsatz und ihrem Engagement. Meine Kritik am Seiteneinstieg richtet sich nicht gegen die Person oder gegen die Idee des Seiteneinstiegs an sich, sondern gegen die hoffentlich nur vergessenen oder übersehenden Regelungen für den Schulalltag, die zu einer deutlich spürbaren Verringerung der Lehrerstunden meiner Schule führten.
Meine Kollegin war im ersten Halbjahr mit voller Stelle eingestellt. Daran hat sich auch beim Wechsel in das zweite Halbjahr nichts geändert.
Auf den Internetseiten des Ministeriums kann man zum Seiteneinstieg lesen:
„Die Qualifizierungsmaßnahme erfolgt in einem auf zwei Jahre befristeten Beschäftigungsverhältnis berufsbegleitend in der Regel in zwei Unterrichtsfächern.

Im Rahmen dieser Qualifizierungsmaßnahme sind von den Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern im ersten Jahr 15 Stunden und im zweiten Jahr 16 Stunden eigenverantwortlicher Unterricht zu erteilen. Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger mit nur einem Unterrichtsfach müssen im ersten Jahr 17 Stunden und im zweiten Jahr 18 Stunden eigenverantwortlichen Unterricht erteilen. Darüber hinaus nehmen die Seiteneinsteigerinnen / Seiteneinsteiger an Ausbildungsveranstaltungen des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) für Laufbahnbewerberinnen und Laufbahnbewerber teil. Daneben erfolgt die Ausbildung an den jeweiligen Schulen.“
Meine Kollegin wurde mit voller Planstelle (28 WStd.) auf die Zuweisung der Schule angerechnet. Sie unterrichtet mit zwei Fächern aber im Mittel über beide Jahre nur 15,5 Wochenstunden. Von den zugewiesenen 28 Stunden sind 12,5 Stunden für die Schule sofort weg.
Hinzu kommen die 4 Mentorenstunden, die von der Schule gestellt müssen. Das macht dann insgesamt ein Minus von 16,5 Wochenstunden, die durch die Beschäftigung einer angehenden Lehrkraft mit Seiteneinstieg zur Unterrichtsversorgung fehlen.
Ist das wirklich so vom Ministerium beabsichtigt?

Wenn dem so ist, dann wäre die Überschrift
Seiteneinstieg - Nein Danke!
richtig.

Andernfalls fordert der slvsh das Ministerium auf, hier noch zum kommenden Schuljahr die Anrechnung der Seiteneinsteiger so zu ändern, dass sie mit der vorgesehenen Stundenzahl für den eigenverantwortlichen Unterricht abzüglich der 4 Mentorenstunden auf die Lehrerzuweisung der Schule angerechnet werden. Das wären dann 11 oder 12 Wochenstunden für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger mit 2 Fächern und 13 oder 14 Wochenstunden für solche mit nur einem Fach.

Uwe Niekiel

In der Zeitung „Die Welt“ erschienen ein interessanter Artikel zu den Ursachen für die Probleme bei der Neubesetzung von Schulleitungsstellen.

Niemand will mehr Grundschulleiter werden vom 16. 3.2017
von Inga Michler