Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich wünsche Ihnen nach hoffentlich erholsamen Weihnachtsferien ein frohes, gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2018.

Wir werden es brauchen, das Glück, wenn wir frohen Mutes an die Besetzung freier Planstellen zum 1. Februar herangehen (müssen). 119 freie Stellen sind landesweit zu besetzen, davon allein 49 an den Grundschulen des Landes (Quelle: Online Stellenmarkt Schule auf den Internetseiten des Bildungsministerium, Stand 8.1.2018). Bei PBon lassen sich derzeit 23 Bewerbungen von Grundschullehrkräften finden.

Wie dramatisch die Situation an unseren Schulen bereits ist, zeigt die Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der Opposition (Landtagsdrucksache 19/262).  Auf 1055 Planstellen an den Schulen unseres Landes unterrichten Menschen ohne 2. Staatsprüfung. Davon entfallen 402 Planstel­len auf die LiVs und 201 Planstellen auf Hochschulabsolventen mit 1. Staatsprüfung für das Lehramt, die mit Zeitverträgen an den Schulen eingesetzt sind.

Insgesamt 412 Planstellen werden von Menschen ohne jegliche Lehrerausbildung besetzt.

Die restlichen 40 Planstellen entfallen auf Quer- und Seiteneinsteiger.

Bei dieser Ausgangslage brauchen wir 2018 schon ganz viel Glück, um als Schulleitung bei den Bemühungen um die Planstellenbesetzungen Erfolg zu haben.

Aber diese Zahlen zeigen noch mehr. 412 Planstellen, die von Nicht-Lehrkräften besetzt sind, stehen 402 Planstellen der LiV‘s gegenüber. Es werden also weniger Lehrkräfte ausgebildet als aktuell Stellen nicht mit Lehrkräften besetzt werden können. Das Problem wird uns daher noch lange erhalten blei­ben und sich durch die Altersstruktur in den Kollegien und den damit verbundenen Pensionierungen verschärfen. Die Ausbildung junger Lehrkräfte dauert leider Jahre. Und die Ausbildung von Seiten- und Quereinsteigern ist ebenfalls keine Angelegenheit von wenigen Monaten.

Übers gesamte Land gerechnet, ist der prozentuale Anteil an den insgesamt über 16 000 Planstellen mit 2,5 % zwar gering. Aber leider verteilt sich dieses Problem nicht gleichmäßig im Land. Die Schulen in den bisher schon für junge Lehrkräfte unattraktiven Gebieten Schleswig-Holsteins bekommen das sehr viel heftiger zu spüren. Und wenn von einem achtköpfigen Kollegium eine Stelle unbesetzt bleibt, erreicht das Versorgungsloch ganz andere Dimensionen. Die in der Presse angekündigte Aufstockung der Kontingentstundentafel wird diese Problematik zusätzliche noch verschärfen. In den Wunschgebieten gibt es mehr Möglichkeiten zu unterrichten. Das verringert automatisch das Interesse an den Schulen in den unattraktiven Landesteilen.

Früher gab es zwar aus anderen Gründen in der Beamtenversorgung einen Ortszuschlag. Ich glaube, für eine gleichmäßigere und gerechtere Planstellenversorgung im Land wäre es an der Zeit erneut darüber oder über andere finanzielle Anreize nachzudenken.

Zwischenzeitlich bleiben den betroffenen Schulen und Schulleitungen nicht viele Möglichkeiten. Wenn die Verlässlichkeit an den Grundschulen nicht reduziert werden darf und/oder keine Unterrichtsstunde ausfallen soll, bleibt nur noch die Zusammenlegung von Klassen eines Jahrganges und bei kleineren Systemen unter Umständen auch mehrerer Jahrgänge. Wünschenswert wäre es dann, wenn mit dem Geld einer nicht besetzten Stelle die Schule zusätzliches Personal aus anderen pädagogischen und sozialpädagogischen Berufen ähnlich den Grundschulassistenzen zeitlich befristet einstellen könnte, damit die entstehenden großen Klassen von einem Tandem aus Lehrkraft und Nicht-Lehrkraft beschult werden können. Der eigenverantwortliche Unterricht von Menschen ohne die geringste Lehrkräfteausbildung kann und sollte nicht die Lösung für die nächsten Jahre werden.

Uwe Niekiel

Kurz vor Weihnachten schlugen die Wogen in der Presse hoch. „Wie gut ist die Inklusion in Schleswig Holstein?“,  „Quantität statt Qualität?“ und andere provokative Schlagzeilen bestimmten für einige Tage die Presse. Doch was war passiert? Der Landesrechnungshof hatte unter der Leitung von Frau Dr. Gaby Schäfer die Inklusion an den Schulen des Landes unter die Lupe genommen und den oben erwähnten Abschlussbericht veröffentlicht. Als Praktiker mag man sagen: Die Katze ist aus dem Sack!

Was wir in den Schulen tagein und tagaus spüren, liegt nun in Zahlen gefasst verlässlich vor. Allerdings wurden die Inhalte nicht immer verlässlich und im Gesamtkontext wiedergegeben. Dies ist Anlass genug, die Zusammenfassung des Berichts und den Ausblick auf den Handlungsbedarf hier wiederzugeben. Wir tun alle gut daran, die Fakten des Berichts an allen relevanten Stellen immer wieder in Erinnerung zu rufen und die Entscheider in der Bildungspolitik daran zu erinnern. Den kompletten Bericht findet man im Internet.

Die Zusammenfassung und den Ausblick - Handlungsbedarf für die 19. Legislaturperiode finden Sie auch in unserer

Schulleitung Aktuell Ausgabe 4/2017

 

 

Beim Auf– und Ausräumen fand ein jüngst pensionierter Kollege das Protokollbuch des Lehrervereins in Burg wieder. Und wie das beim Aufräumen häufig ist, begann er zu stöbern.

Seine interessante Entdeckung überlies er mir zu Veröffentlichung an dieser Stelle. Die Überschrift habe ich absichtlich abgeschnitten. Raten Sie einmal, aus welchem Jahr dieses Protokoll ist.

Das darin unter dem ersten Tagesordnungspunkt beschriebene Problem ist leider zur Zeit der anstehenden Personalsuche hochaktuell.

Neben kurzfristigen Lösungen der Personalnot wünschen wir uns endlich eine weitsichtige und parteiübergreifende Personalplanung,

Uwe Niekiel

Prot02

Die Grafik zeigt: Der Bedarf an Lehrkräften in Schleswig-Holstein ist riesengroß. Und Schulleitungen, die bereits ausgeschrieben haben wissen, dass die Situation alles andere als rosig ist.  UE20170716

In der Zeitung „Die Welt“ erschienen ein interessanter Artikel zu den Ursachen für die Probleme bei der Neubesetzung von Schulleitungsstellen.

Niemand will mehr Grundschulleiter werden vom 16. 3.2017
von Inga Michler